Kann ich mein Kind von Anfang an in aufrechter Position tragen?

Ja, wenn das Kind in seiner natürlichen Haltung (physiologische Krümmung der Wirbelsäule) gehalten und gestützt wird und nicht in sich zusammensinken kann. Dann ist es sogar das Beste für die Wirbelsäulen- und Hüftentwicklung.

Am besten ist dies in einem Tragetuch gewährleistet, da man es direkt am Kind festziehen kann und somit die Unterstützung optimal ist.

 

Bekommt mein Baby genung Luft beim Tragen?

Ja, bekommt es. Hierzu gibt es folgende studie. Außerdem können Babys von Geburt an den Kopf drehen und wenn die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt, steigt der Kohlendioxidgehalt, was eine Aufwachreaktion im Gehirn verursacht. (s.Buch E. Kirkilionis "Ein Baby will getragen sein" S. 158)

 

Was zeichnet eine gute Tragehilfe aus?

Eine gute Tragehilfe unterstützt das Kind in seiner natürlichen Haltung und schmiegt sich fest an den Körper des Kindes. Es darf nicht in sich zusammensinken.

Eine Anhock-Spreiz-Haltung muss gewährleistet sein ("M"-Stellung, d.h. das Material zwischen den Beinen muss von Kniekehle zu Kniekehle des Kindes reichen und auch in entspannter Haltung die Knie auf Bauchnabelhöhe halten).

Es sollte möglich sein, das Gewicht des Kindes gleichmäßig auf den Körper des Tragenden zu verteilen um einseitige Belastungen und daraus folgende Rückenschmerzen zu vermeiden.

 

Wie lange kann ich mein Kind am Stück tragen?

So lange wie es für den Tragenden und den Tragling angenehm ist und Spass macht. Eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht wirklich.

 

Kann ich mein Kind durch ständiges Tragen verwöhnen?

Nein, auf keinen Fall! Im Gegenteil! Tragen befriedigt das Grundbedürfniss nach Nähe und Geborgenheit. Der menschliche Säugling ist ein Tragling, die Natur hat ihm das Getragenwerden in die Wiege gelegt.

Unsere Vorfahren waren Nomaden, deren Nahrung zum Großteil aus Pflanzen bestand. Die Kinder wurden überall hingetragen, schliefen am Körper der Mutter. Das Ablegen oder irgendwo liegen lassen eines Säuglinges war viel zu gefährlich, es konnte zur leichten Beute für Raubtiere werden.

Deshalb hat die Natur die Anatomie des Kindes darauf angepasst getragen zu werden, vor allem auf der Hüfte.  Die typische Beinhaltung eines Säuglinges, vor allem wenn er hochgehoben wird, ist angehockt und leicht abgespreizt. Das ist die exakte "Einstellung", um auf der Hüfte der Mutter getragen zu werden ("Schlüssel-Schloß-Prinzip") und wird als Vorbereitung auf das Getragenwerden automatisch eingenommen.

Das erklärt auch das "Schrei-" Verhalten unserer Kinder. Ein Baby beginnt zu schreien wenn es abgelegt wird und sich allein fühlt. Das tut es aber nicht weil es die Eltern verärgern will, sondern es folgt seinem Instinkt. Das Schreien ist ein Reflex. Unsere Babys sind noch nicht in unserer "sicheren" Zeit angekommen, in der nicht der "Säbelzahntiger" hinter der nächsten Ecke lauert

Es schreit aus Angst, Todes-Angst, da vor Jahrmillionen ein Kind nur bei seiner Mutter eine Überlebenschance hatte.

Sie stärken also nur das Ur-Vertrauen Ihres Kindes und geben ihm Sicherheit wenn Sie Ihr Kind tragen und vor allem auf seine Bedürfnisse reagieren!

 

 

Kann ich mein Kind auch mit dem Gesicht nach vorne tragen?

Bitte tun Sie das nicht!

Dafür gibt es folgende Gründe:

  • es ist nicht möglich das Kind in einer korrekten Anhock-Abspreiz-Haltung zu tragen, welche für eine optimale Hüftentwicklung erforderlich ist; die Beine hängen gerade herunter und somit wird ein ungünstiger Zug auf die Gelenke ausgeübt
  • es ist keine natürliche Körperhaltung möglich -  das Kind sitzt im Hohlkreuz - der Rücken kann nicht optimal abgestützt werden, was im schlimmsten Fall zu Haltungsschäden und Rückenschmerzen führen kann
  • das Kind ist den Reizen, welche auf es einströmen, hilflos ausgeliefert und kann sich nicht bei Bedarf an die tragende Person ankuscheln und zurückziehen oder Blickkontakt aufnehmen
  • durch die zu schmale Stegbreite (bei dieser Trageposition ist kein breiterer Steg zwischen den Beinen des Kindes möglich) liegt die gesamte Belastung auf dem Schambereich des Kindes, was zu Fehlbildungen und bei Jungs zu Hodenquetschungen führen kann

Natürlich möchten die Kinder ab einem gewissen Alter mehr sehen und ich kann sehr gut verstehen, dass Eltern diesem Bedürfnis nachkommen möchten. Dafür gibt es geeignete Tragevarianten mit denen man anatomisch korrekt Tragen kann, wie z.B. auf der Hüfte oder auf dem Rücken!

 

 

Mein Kind hat eine Behinderung/Erkrankung, kann ich trotzdem tragen?

Auch besondere Kinder kann man Tragen, allerdings immer in Absprache mit dem behandelnden Therapeuten oder Arzt.

Bitte sprechen Sie den Therapeuten im Vorfeld darauf an, ob es generell möglich ist. Bei einer folgenden Trageberatung werden wir gemeinsam nach einer geeigneten Tragemöglichkeit suchen und diese mit der Tragepuppe testen.

Bevor Sie Ihr Kind tragen, muss unbedingt Rücksprache mit dem Therapeuten/Arzt gehalten werden.

Ich biete Ihnen an, Sie zu dem Gespräch mit dem Therapeuten zu begleiten (es entstehen für Sie keine weiteren Kosten, ausser eventuell Fahrtkosten, je nach Entfernung) und die Tragevariante an der Puppe zu zeigen, um gemeinsam mit Ihm die beste Lösung für Ihr Kind und Sie zu finden.

Lesen Sie dazu auch meinen Artikel  über das Tragen von Kindern mit Besonderheiten, erschienen in der Zeitschrift des Down Syndrom Infocenters Ausgabe Januar 2010 "Leben mit Down Syndrom" ->Artikel

 

Wenn ich in der Stadt unterwegs bin habe ich mein Kind in der Babyschale auf einem Gestell, das ist doch viel praktischer!

 

Ob es viel praktischer ist sei mal dahin gestellt. Es ist für die Kinder auf jeden Fall nicht gut und hier sind die Gründe warum:

  • die Atmung der Kinder ist in den Babyschalen wesentlich schlechter, da der Kopf auf die Brust und das Kind generell in sich zusammen sinkt, somit können sich die Lungen nicht frei entfalten
  • durch die zusammen gesunkene Haltung wird die Wirbelsäule ziemlich belastet, es findet keine Unterstützung statt wie es bei einem Tragetuch oder einer geeigneten Trage der Fall wäre
  • diese Untergestelle haben meist eine sehr schlechte Federung, d.h. das Kind fängt sämtliche Erschütterungen mit seiner Wirbelsäule ab
  • das Kind ist in seiner Bewegung sehr eingeschränkt; Kinder lernen durch Bewegung, was ihnen angeschnallt in einer Babyschale nicht möglich ist; beim Tragen muss das Baby sämtliche Bewegungen des Trägers mitmachen und bewegt sich dadurch auch selbst

 

Mein Fazit:

Für einen Transport im Auto ist die Babyschale lebensnotwendig. Man sollte allerdings regelmässige Pausen einlegen.

Ansonsten wenn möglich bitte die Schale im Auto lassen, Sie tun Ihrem Kind einen riesen Gefallen!

 

Top

Trageberatung Mond-Bär